Diesmal will ich über des Läufers Beinkleider reflektieren. Nachdem ich nun weitere Erfahrungen gemacht habe, bringe ich diese nun mit ein und haben den Artikel von 2015 stark überarbeitet.

Kritik

Der Postillion hat einen schönen Artikel zum Thema geschrieben, den ich als Hintergrundartikel vorab empfehle smile Jogger schafft maximal zwei km/h, weil er keine hautenge Laufhose trägt.

Es gibt es handfeste, deftige Kritik an MAMILS (Middle aged men in Lycra) z.B. im Artikel Phänomen Mamil: Wenn Herren sich in Lycra zwängen - Stern. Dem gegenüber hat Mat Seaton (Guardian) mit dem Artikel The humble Mamil: why we need 'middle-aged men in Lycra' einen guten Kontrapunkt gesetzt.

Immer wieder wird letztendlich über die Sexualisierung der Laufkleidung (Tights) von Männern gelästert (Auch in diversen Foren zu finden), insbesondere über das Geschlechtsteil, z.B. "er trägt ihn links", gerne auch von Frauen. Auch die unvorteilhaften Körperproportortionen bei Übergewicht werden mittelbar und unmittelbar kritisiert. Nach dem Motto: So kann man doch nicht herumlaufen, wird "angepasste" Kleidung gefordert. Ebenso werden die bunteren Varianten der Sportkleidung eher kritisch gesehen, hier kann man am Fitness-Studio-Knigge der NZZ gerne mal sehen, wo der Hase der "Correctness" hinläuft.

Jedoch

Es gibt jedoch handfeste Argumente für geeignete Kleidung die alle in Richtung "Tight" weisen.

Wer läuft, der schwitzt, der eine mehr, der andere weniger. Wer nicht nur im Sommer bzw. bei > 20° C läuft, das geht dann natürlich in kurzen Hosen, der weiß auch, dass ein gewisser Windschutz nötig ist, damit man nicht kaltschweißig wird, und damit wird es unangenehm. Der Schweiß soll weg vom Körper, dass kann nur Funktionskleidung leisten, die hauteng (!) anliegt. Schlabberhosen scheuern. Baumwolle oder ähnliche Stoffe saugen sich mit Schweiß voll und kleben dann höchst unangenehm kalt, schwer und klamm am Körper. Wer dann noch 40min oder mehr nach Hause hat, denkt dann doch anders über Tights.

Somit wird es eine Laufhose, und damit eine Lauftight. Es führt kein Weg an ihr vorbei. Und ja, damit werden alle körperlichen Unzulänglichkeiten sichtbar, fette Oberschenkel, dicke Bäuche, breite Hintern. Ist halt so. Aber auch hier gibt es inzwischen Abhilfe. Inzwischen gibt es Tights, die eine Oberhose  aufweisen und damit ein normales Aussehen gewährleisten und unschöne Formen verdecken. Wer das nicht möchte, kombiniert wie die Fußballer eine leichte Sporthose (Pludershorts) über die Tights. Mir war das zunächst nur wie ein Modetrend erschienen, nun verstehe ich das. Als weitere Alternative bietet sich an, eine lockere Sporthose über die Tight zu ziehen, dem Fußballtrend entsprechend.

Unterwäsche?

Es gibt drei Gründe für Unterwäsche: Je nach Transparenz und Form der Lauftight kann ein Slip durchaus angebracht sein. Wer nicht auf Paarungslauf mit Freund oder Freundin ist, der läuft mit Slip. Boxershorts haben jedoch den Effekt, sich am Oberschenkel hochzukrümpeln, das fühlt sich blöd an und schaut unter der Tight noch blöder aus. Den Sinn von oberschenkellangen Unterhosen (ohne Kompression) habe ich auch noch nicht verstanden, vielleicht für die Übergangszeit zwischen Winter und Sommer, oder schlicht Mode? Der zweite gute Grund ist Kompressionswäsche (siehe unten). Der dritte gute Grund ist Kälteschutz. Auch für die Unterwäsche gilt, dass die Kunstfaser (Funktionswäsche) gewinnt.

Kompression. Ja oder nein?

Kompressionswäsche ist nicht für bessere Laufleistung, das ist ein Adidas-Märchen. Das ist eher eine Frage des Geldbeutels, denn alles was den venösen Rückfluss unterstützt ist gut, Venenschutz wird erreicht  und Regeneration wird beschleunigt. Damit sind Kompressionseffekte eher erwünscht. Ich empfehle z.B. CEP Calves und Konsorten für den Mann ab 35 präventiv. Warum? Dazu die Alterungseffekte des menschlichen Körpers als Erklärung heranziehen. Kompressions-Lauftights gibt es inzwischen auch von günstigeren Anbietern. Wenig geeignet finde ich hier z.b. Adidas techfit etc., die sind doch mehr Designerware als funktional. Gut finde ich z.B. immer noch aktuell (2016) sub dual, die Kompressionskleidung verdient den Namen, Schweiß wird auch gut abtransportiert. Darüber hinaus kann man gerne viel Geld bei den Markenanbietern ausgeben. Bitte auch den Artikel http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/macht-enge-sportunterwaesche-schneller-a-1014751.html ansehen, sehr interessant. Ein weiteres Argument für Dickere ist, dass Funktionswäsche die Haut vor Überdehnungen im Sport schützt. (Hält das Fettgewebe besser zusammen.)

Noch ein Hinweis zu Calves oder Stulpen bzw. Kompressionsstrümpfen. Sofern die lange Tight einen Kompressionseffekt hat, brauche ich natürlich keine zusätzliche Kompression. Im Sommer habe ich gute Erfahrung mit den Calves und kurzen Tights gemacht.

Ergänzung 2017:

Nachdem ich mir mal eine teuerer Tight geleistet habe (Skins) muss ich feststellen, dass diese Oberklasse-Ware sowohl bezüglich Körperpassform als auch der ergonomischen Kompression an den richtigen Stellen ein besseres Laufgefühl ermöglichen. Diese Hosen haben keinen Reißverschluss an den Beinen (im Gegensatz zu anderen Herstellern wie Adidas, Asics,..), und müssen mit Gefühl angezogen werden, sonst reißen Nähte. Während SubSport, SubDual etwas fester, robuster (wärmer) sind, bringen Skin und manche UnderArmour Tights es auf ein wirklich gutes Tragegefühl. Schneller wird man natürlich eher nicht damit, dass macht nur das Training selbst.

Winterlaufen. Ja das geht.

Normale Wintertighs taugen so bis ca. -2° C + Windchill. Wird es kälter, hängt es vom Trainingszustand und der Gewöhnung ab, ich ziehe dann eine lange Thermounterhose darunter. Das klappt bis zur magischen -10°C Grenze gut. Darunter laufe ich nicht, daher keine weiteren Erfahrung und keine Tips. Ich bewundere die, die mit 3/4-Tights und im Winter bei Eis und Schnee laufen. Mir ist das jedoch zu kalt.

Übergang Herbst und Winter

Der klassische Einsatzbereich der normalen langen Lauftight: man benötigt etwas Wärmeschutz und Schweißtransport um nicht zu frieren.

Länge der Tight, Stoffdicke: Je wärmer, desto kürzer soll die Tight sein. Ich empfehle hier, auf den eigenen Körper zu achten, man weiß genau, ob mehr oder weniger Kälteschutz erforderlich ist. Der Trainingszustand hat da einen starken Einfluss. Nach Trainingspausen brauche ich immer mehr Kälteschutz, nach zwei Wochen werde ich dann unempfindlicher. Das ist aber für jeden anders.

Sommerlaufen

Hier wird es dann doch eher Geschmacksfrage. Wer es mag, nimmt kurze lockere Hosen (Shorts). Ich bevorzuge die einfachen kurzen Tights, die den Oberschenkel fast bis zum Knie noch bedecken. Auch hier ist eine Kompressionshose meiner Erfahrung nach das Beste.

Farbauswahl

Das Dauerschwarz mag ich nicht mehr sehen, ich mag es auch mal bunt. Leider muss man als Mann hier regelmäßig Abstriche machen. Inzwischen gibt es aus der Fußballecke doch etliche bunte (einfarbige) Tighs als Alternative, z.B. Jako, Erima. Die taugen aber nur für den Sommer. Wenigstens Tights mit Neon-Farbstreifen kann man nun bei Adidas, ProTouch, Odlo etc. erwerben, sind aber oft deutlich teurer. Auch hier liefert sub dual schon unschwarze Kompressionstights.

Vorsicht bei den Discountern.

Zwar sind die Laufhosen der Discounter vom Stoff her den "Marken" im Prinzip nahezu ebenbürtig, jedoch kann die Passform so ein Problem sein. Das merkt man bei den seitlichen Reißverschlüssen, die bei anatomisch passenderen Hosen,(Adidas, ProTouch,...) deutlich bessere Qualität haben. Es kommt immer wieder vor, dass die Discounter-Ware schlicht "vernäht" ist und z.B. zu enge Unterschenkel oder Ärmel haben, oder die Armlängen und Beinlängen eigenartig sind.

Markenware, auch nicht immer brauchbar.

Zwar bieten die "großen" Marken gute Sportware an, jedoch gelegentlich mit krassen Ausrutschern. "Techfit" von Adidas ist so ein Gag, den ich noch nicht verstanden habe. Silikon großflächig zur Abdichtung auf den Funktionsstoff auftragen ist schon eine krasse Sache (Stand 2013/2014: Kopfschüttel!) Leider müssen die afrikanischen Laufknechte das für Adidas in den Wettkämpfen tragen. Aber gut, wenn´s geil ausschaut... Interesanterweise habe ich anno 2015 erste Varianten mit "Dampf"-Löchern in den breiten Silikonstreifen auf dem Funktionsmaterial gesehen, eine kleine Lernkurve gibt es da wohl doch schon.

Billighosen aus Fernost?

Ergänzung 2017: Nachdem ich nun etliche Chinaware z.B. über aliexpress geordert habe, traue ich mich eine Aussge dazu zu machen. Man erhält Standardprodukte, oft in bunteren Varianten als in Europa, die den Gelegenheitsläufer voll befriedigt. Die Qualität ist befriedigend, meist ist klar erkennbar, dass es sich um Ware für einfache Verwendung (Fitness-Center, sommerliches Laufen) handelt. Man kann aber auch richtig gute Ware erhalten, ohne Plagiate zu wählen. Gute Kompression und wertige Verarbeitung kann man erhalten, Oberklasse Äquivalente etwa wie Skin, UnderArmour SubSports, SubDual findet man weniger oder oft mit qualitativen Abstrichen.

Reißverschlüsse

Gute Hosen haben am Knöchel Reißverschlüsse. Richtig gute Hosen haben gute Reißverschlüsse. Das klappt nicht immer, ich habe z.B eine Asics Hose, deren Reißverschlüsse Murks sind. Vorsicht, wenn möglich ausprobieren. Noch bessere Hosen benötigen keine Reißverschlüsse. Das gilft für Winterhosen nicht unbedingt, die sind aufgrund des zwingend stärkeren Stoffs nicht flexibel genug, dass man die Ferse durch die engen Enden bekommt, da ist dann ein Reißverschluss sinnvoll.

Passform

Auch ein Problem sind die Beinlängen. Hier ist der Trend zu "größeren" Menschen in der Beinlänge schon so deutlich, dass es bei Konfektionsware schwierig wird, etwas für kurzbeinigere Menschen wie mich zu finden. Leider sind etliche Hosen auch nur für den Typ Anorexia nervosa (BMI <18 :) gemacht. Ich verlange ja keine Pykniker-Hosen, aber der Barbie&Ken-Look bei Menschen ist doch nach wie vor noch nicht die Regel. Für kleinere Menschen unter 1,70 m passen die "asiatischen" Größen von Alibaba/Aliexpress, manche auch über Amazon zu haben, derzeit (2015) am besten.

   
© Alle Rechte bleiben beim Autor!