Vorwort

Um Mitmenschen in ähnlicher Lage zu motivieren, möchte ich von meinen Erfahrungen berichten. Es geht mir hierbei nicht darum, zu sportlichen (Hoch-)Leistungen zu motivieren oder den eigenen Weg als den richtigen zu verkaufen, nein, ich möcht hier durchaus persönlich gefärbt zum Thema Stellung beziehen. Man macht sich anfangs doch so einige irrige Vorstellungen, besser gesagt Illusionen.

Synkope

Da saß ich vor einigen Jahren abends, wie des öfteren, so vor meinem Rechner. Mir wurde kurz etwas schwummerig, vermutlich vom reichlichen Essen. Eine kurze vasovagale Synkope, spürbar, ein kleiner Warnschuss. Aufgemerkt! Ich sah an mir herunter, bemerkte meinen schwabbeligen Bauch, der umfangstechnisch den persönlichen Grenzwert schon lange überschritten hatte. Ich fühlte mich schlapp, schwächlich. Ich habe mich zu lange gehen lassen. Keine Bewegung und zu viel Süßes. So geht das nicht weiter, dachte ich.

Ich beschloss, etwas zu unternehmen. Aber was? Abnehmen? Ja klar aber wie, Diäten funktionieren ja nicht, soviel wusste ich bereits. Irgendwelche Medikamente, Diätpülverchen und sonstiger Unfug führen entweder nur zur Gewichtsreduktion des Geldbeutels und/oder vergiften einen dabei, nein danke. Mit Sport stehe ich generell auf Kriegsfuß. Also was konnte ich tun? Schwimmen? Definitiv nicht, ich hasse kaltes Wasser. Radfahren? Nein, das liegt mir nicht. Was dann? Teamsportarten mag ich (zur Zeit) nicht, da zu viel Zeit in Vereinsmeierei und sonstige Verpflichtungen (Arbeitsstunden für den Verein!) draufgeht, statt für den eigentlichen Sport. Und wenn hinterher dann gemütlich zusammen gebechert und gegessen wird, ist der Effekt mehr als dahin. Vor Muckibuden graust es mich irgendwie. Mit Familie und kleinen Kindern ist man da sowieso eingeschränkt. Was bleibt einem da noch?

Also wird es Laufen, Joggen Running, wie immer das modischerweise auf gut Denglisch nun heißt. Für uns Deutsche der gute alte Dauerlauf.

Erste Schritte

Gesagt getan. Wenige Tage später lief ich abends einfach los:

"Nehme meine roten Turnschuhe, Baumwollshirt und Pullover, es ist kühl. Bin zum ersten Mal gelaufen. Abends. Ungefähr 4 km am Kanal entlang und zurück. Die ersten 400m gingen noch. Dann musste ich gehen. Habe kaum laufen können, immer wieder stehen bleiben müssen, meist nur spaziert, bin in kläglicher Verfassung. Die Luft war gut aber kalt."

So ging es los. Nach ein paar Läufen wusste ich, das dies für mich die richtige Entscheidung war. Ein ganz wichtiger Aspekt ist die freie Zeiteinteilung. Zu Beginn bin ich nur abends bzw nachts gelaufen, nachdem die Kinder im Bett waren.

Wie es weiterging

ich steigerte meine Laufleistung in sowohl in Geschwindigkeit als auch Streckenlänge nur sehr langsam. Mein Gewicht veränderte sich leider kaum, und wenn dann nur schwach nach unten. Rückschläge gab es besonders bei kräftigen Erkältungen. Man fällt aus seinem Lauf-Rhythmus heraus und findet nicht sofort wieder hinein. Es ist auch wirklich enttäuschend, wenn der erreichte Trainingsstand auf einmal wieder weg ist. Als ich ein Rückenproblem hatte, hat mich das ein halbes Jahr Trainigsausfall gekostet und etliche Kilo Übergewicht zusätzlich.

Jedoch:

Man härtet tatsächlich ab. Früher habe ich am liebsten auf der Heizung gesessen, nun "brauche" ich sie wirklich nur an kalten Frosttagen. Früher habe ich bis zu drei Schichten Funktionskleidung bereits im Herbst getragen, nun reichen zwei. Früher habe ich jedes Jahr ca. 2 Erkältungen bekommen, nun alle zwei Jahre vielleicht eine, eher ein nur ein kleines Schnüpfchen. Klar habe ich einige Kilo Fett in Muskeln rückverwandeln können und etwas Fett verloren. Aber lange nicht soviel, wie ich möchte.

Heute

Nun, nach einigen Jahren habe ich zu einer geigneten Form des Laufens für mich gefunden. Ich "brauche" so 40-50 km pro Woche, um mich wohlzufühlen. Das klappt leider nicht immer. Wenn ich dann zurückhaltend esse und meinen Süßigkeitenkonsum bewusst kleinhalte (und das ist auch nicht immer so), gelingt es mir automatisch weiter abzunehmen. Ich weiß, dass das, was ich in 10 Jahren draufgefressen habe, nicht in 1 oder zwei Jahren wieder weggeht. Ich werde die gleiche Zeit brauchen, um gesund auf mein Normalgewicht (sagen wir eher: persöliches Wunschgewicht) zu kommen und dies dann auch stabil zu halten. Es bedeutet eine Verhaltensänderung und Umstellung von Lebensgewohnheiten.

Es ist wirklich auch ein Zeitproblem. Ehrlich gesagt müssten es schon mehr als 6h Laufen pro Woche (ca. 4 mal) sein, um als richtiger Ausgleich für einen Büromenschen dem Körper zu fordern und auf Trab zu halten. Ich schaffe das nicht immer und auch nicht immer in der nötigen Intensität.

Mein sportlicher Erfolg ist eher mickrig, ich bin sicher kein Leistungssportler. Ja ich kann 10 km in 1h laufen. Aber kaum schneller. Ja ich laufe inszwischen 20 km am Stück mit Genuss, aber keine 40 km. Bis heute bin ich keinen von diesen Volksläufen mitgelaufen, sondern einfach nur so für mich. Ich bewundere alle, die ohne medikamentöse Tricks mehr abnehmen, und die die schneller, länger und weiter laufen können als ich. Gleichzeitig glaube ich, dass ich so einen Erfolg nur mit Überlastung und Überforderung für meinen eigenen Körper erreiche, daher habe ich hier meinen "Ehrgeiz" auf das Stabilisieren meiner Gesundheit beschränkt. Für mich habe ich Lebensqualität gewonnen.

Appell

Oft sehe ich Menschen mit massivem Übergewicht, die beim einfachen Gehen schon gewaltig schnaufen. Immer wieder zwinge ich mich dann, auf meinen eigenen Bauch zu schauen, und mir vorzunehmen es für mich anders zu machen. Wer zur Erkenntnis gelangt ist, dass er (wie ich) etwas ändern möchte, und sich für (unter anderem auch) das Laufen entschieden hat, den möchte ich ermutigen, es zu versuchen und nicht locker zu lassen.

 

 

   
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